Wusstest du, dass über 80 % aller unzufriedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Schuld für ihre berufliche Misere zuerst bei sich selbst suchen? Wenn die eigene Führungskraft den Sinn ihrer Position nicht versteht und schlichtweg schlecht führt, versuchen die Mitarbeitenden oft, das Problem durch eigene Mehrleistung zu kompensieren. Verrückt, oder?
Stell dir vor, du bist mit dem Auto unterwegs und andere Verkehrsteilnehmer fahren dir wegen ihrer eigenen Unachtsamkeit ständig ins Heck. Würdest du jeden Tag darüber grübeln, was du falsch gemacht hast und wie du dich noch besser anpassen kannst? Wahrscheinlich nicht.
Die bittere Wahrheit ist: Es gibt Chefinnen und Chefs, die können einfach nicht führen. Als Mitarbeiter wirst du sie nicht ändern. Sehr wohl kannst (und solltest) du aber deine Schlüsse daraus ziehen. Denn ein toxisches Betriebsklima macht auf Dauer krank – in manchen Büros sterben bei einer solchen Atmosphäre sogar die robustesten Zimmerpflanzen.
Woran erkennst du, dass das Problem nicht bei dir liegt? Hier sind 6 untrügliche Anzeichen für schlechte Führung.
Inhaltsverzeichnis
1. Ahnungslose Führung: Wenn der Chef das eigene Team nicht kennt
Ein schlechter Chef hat oft keine Ahnung, was seine Mitarbeiter täglich leisten, welche Aufgaben sie genau übernehmen und wo die eigentlichen Kernkompetenzen jedes Einzelnen liegen.
Das mag auf den ersten Blick unglaubwürdig klingen, ist im Unternehmensalltag aber öfter anzutreffen als ein 50-Meter-Straßenabschnitt in Berlin ohne Baustelle. Die Folge? Aufgaben werden falsch delegiert, Talente verkümmern und Frustration macht sich breit. Wenn der Kapitän nicht weiß, was seine Mannschaft kann und tun soll – wie soll das Schiff dann jemals sicher den Hafen erreichen?
2. Aktionismus statt Strategie: Planlose Umstrukturierungen
Eine überforderte Führungskraft strukturiert gerne und planlos um. Es herrscht der Irrglaube: Wer Staub aufwirbelt, beweist Tatendrang. Dabei werden oft funktionierende Teams zerrissen, Zuständigkeitsbereiche völlig unlogisch neu verteilt oder wichtige Aufgabenbereiche schlichtweg vergessen. Mitarbeiter werden faktisch aus ihrer ursprünglichen Stellenbeschreibung gedrängt. Wer ständig mit chaotischen, unbegründeten Umstrukturierungen zu tun hat, läuft jeden Tag Gefahr, zur Schachfigur degradiert zu werden. Das raubt nicht nur jegliche psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz, sondern ist ein klares Zeichen dafür, dass das Know-how der Mitarbeiter null geschätzt wird.
3. Toxisches Eigenlob: Das Team arbeitet, der Chef glänzt
Großartige Ergebnisse sind fast immer eine Teamleistung. Doch in der Realität schlechter Führung sieht das oft anders aus: Der Ertrag, der Erfolg und die Lobeshymnen der Geschäftsführung werden genüsslich vom direkten Vorgesetzten allein eingeheimst.
Die Begründung? „Ich habe das Team ja schließlich dorthin geführt.“ Wahre Leader stellen sich bei Fehlern vor ihr Team und lassen dem Team bei Erfolgen den Vortritt. Wer als Chef die Lorbeeren seiner Mitarbeiter klaut, zerstört nachhaltig das Vertrauen, die Motivation und die Loyalität seiner Belegschaft.
4. Intransparenz: Mangelhafte und kryptische Kommunikation
Kommunikation ist das wichtigste Werkzeug einer Führungskraft. Fehlt diese, ist das Chaos vorprogrammiert. Schlechte Chefs zeichnen sich oft durch zwei Extreme aus:
- Informationen als Machtmittel: Wissen wird bewusst zurückgehalten. Wenn du Informationen brauchst, musst du betteln oder dich auf das unsägliche Argument der „Holschuld“ verweisen lassen.
- Kryptische Anweisungen: Ziele und Aufgaben sind schwammiger als ein Pilz nach tagelangem Regen im Wald.
Wer nicht klar kommunizieren kann, produziert Missverständnisse, Fehler und Doppelarbeit. Hier stellt sich ernsthaft die Frage: Wozu existiert diese Management-Position überhaupt?
5. Micromanagement: Der krankmachende Kontrollzwang
Manche Chefs sind echte Kontrollfreaks. Der Grundsatz lautet nicht „Vertrauensvorschuss“, sondern „Jeder muss sich mein Vertrauen erst mühsam erarbeiten“.
Das äußert sich im extremen Micromanagement: E-Mails werden gegengelesen, Protokolle penibel korrigiert und Meetings besucht, in denen die Führungskraft eigentlich überhaupt nichts verloren hat. Dieser ständige Atem des Chefs im Nacken schnürt Mitarbeitenden die Luft ab und erstickt jede Eigeninitiative. Schlimmer noch: Micromanagement bedeutet Dauerstress und kann regelrecht krank machen. Wenn du spürst, dass dich diese Kontrolle gesundheitlich belastet, ziehe die Reißleine und nutze deinen Anspruch auf Krankenstand.
6. Respektlosigkeit: Die absolute rote Linie
Wer seinen Mitarbeitern mit mangelndem Respekt gegenübertritt, hat selbst keinen Respekt verdient. Punkt.
Wenn du mit einer Führungskraft arbeitest, die dich vor anderen bloßstellt, beleidigt, boykottiert oder auf andere Weise herablassend behandelt, gibt es keine Kompromisse mehr. Respektlosigkeit ist die Wurzel vieler Übel in der heutigen Berufswelt – oft nur deshalb, weil viele denken: „Der Ton ist hier halt etwas rauer, das ist normal.“ Nein, ist es nicht! Lass dir so ein Verhalten niemals gefallen und stehe auch Kollegen bei, denen das widerfährt. Deine Optionen hier: Klare Meldung an die Personalabteilung/den Betriebsrat oder die konsequente Kündigung.
Fazit: Erkenne deinen eigenen Wert!
Diese Liste ließe sich problemlos erweitern, aber diese 6 Anzeichen reichen völlig aus, um toxische Führung zu entlarven. Du bist aus gutem Grund auf diesen Artikel gestoßen. Hast du beim Lesen ein, zwei oder sogar öfter zustimmend genickt oder dir an den Kopf gefasst? Gratulation (oder eher: Mein Beileid), du hast es mit einer schlechten Führungskraft zu tun.
Und nun? Das „Problem“ lässt sich im Grunde nur lösen, wenn du dir deines eigenen Wertes bewusst wirst. Nur wer nicht weiß, was seine Fähigkeiten und seine Arbeitskraft wert sind, lässt sich mit Füßen treten. Erinnere dich daran, was du auf dem Arbeitsmarkt – und als Mensch – wert bist. Du bist nicht von diesem einen, toxischen Umfeld abhängig.
Der nächste Schritt für dich: In meinem Buch zeige ich dir praxisnah, wie du deinen eigenen Wert (wieder)erkennst und wie du konkret mit der Inkompetenz schlechter Führungskräfte umgehst. Ich habe es nicht nur für angehende Leader geschrieben, sondern vor allem für Menschen wie dich: Die genau wissen, dass sie in ihrem Berufsleben mehr Respekt, mehr Sinn und eine bessere Führung verdient haben, als das, was sie gerade bekommen.





